Über die Seite

Vom Akt des Sammelns spricht Walter Benjamin als einer "Form des praktischen Erinnerns". Unter anderem deshalb stellt der Sammler für ihn eine Art alternativen Geschichtsschreiber dar, als die sich auch die Figur des Cinephilen betrachten lässt. Dieser sammelt nicht nur mit seinen Händen Filmplakate oder andere Memorabilien, sondern auch mental, in seinen Erinnerungen. Oft sind es kleine, unbedeutend erscheinende Details, wie die von François Truffaut beschriebene fette Hand des Lehrers, die sich in Zéro de conduite (Betragen ungenügend, FR 1933) auf die kleine weiße des Kindes legt, oder der von D. W. Griffith viel zitierte Wind in den Bäumen, die sich im Gedächtnis der Filmliebhaber:innen festsetzen – Momente, die eher zufällig von der Kamera mitaufgenommen wurden und nicht dazu geschaffen worden sind, um gezielt betrachtet zu werden oder zumindest nicht, um den Zuschauer:innen nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Welche Elemente zu einem solchen cinephiliac moment werden können, kann kaum vorhergesagt werden. Stets sind es persönliche, rein subjektive Momente, selbstreflexive Akte, in denen  Filmliebhaber:innen ihren Obsessionen mit bewegten Bildern, ja vielleicht sogar ihrem ganzem Leben, in kondensierter Form begegnen.

 

SAMMLER DES KINOS bietet Momenten eine Plattform, in denen sich die Cinephilie ihrer Betrachter:innen widerspiegelt und lässt so persönliche Filmgeschichten aufeinandertreffen. Damit einher geht eine theoretische Auseinandersetzung mit den möglichen Formen, in denen sie auftreten können, als auch den Potenzialen, die sie eröffnen. Falls dies zu neuen Perspektiven auf Film und den Stellenwert, den seine Bilder und Töne in unserem Leben einnehmen, führen sollte, hätte sich der hinter diesem Vorhaben stehende Wunsch bereits mehr als erfüllt.

 

In diesem Sinne seien alle Besucher:innen der Seite herzlichst dazu aufgerufen, einen Gang durch das imaginäre Museum zu wagen sowie persönliche Filmmomente und theoretische Reflexionen einzureichen. Und die Suche nach ersteren lässt sich am besten im Kino beginnen.